Kritiken:

 

Dirk Ziegler:

Hallo liebe Freunde des guten Geschmacks. Eigentlich sollte ja an dieser Stelle die Top-Ten meiner Lieblingsfilme kommen, wenn mir diese Aufgabe nicht so unendlich langweilig erschienen wäre. Das Ergebnis wäre "geschmäcklerisch" geworden: Vielleicht eine Prise "Visconti", gemischt mit ein wenig "Kubrick", ein Hauch "Coppola" und als Krönung möglicherweise noch die zeitgemäße "Tarantino"-Würzung (gähn). Vor soviel hochwertigem Kulturgut muß der geneigte Leser bewahrt werden. Laßt uns deshalb im Trivialen suhlen, wo schauspielerische Qualitäten am Klang des Schreies (Siehe "Screaming Queens", wie z.B. Jamie Lee Curtiz) gemessen werden und die Darsteller sich am besten machen, wenn sie von Verstümmelungen verunziert werden, wo überhaupt Monster die besseren Schauspieler sind. Der Kenner wird merken, daß auch diese Top-Ten eher den konventionellen Geboten folgt. Keiner dieser Filme hätte nicht das Zeug zum Splatter-Klassiker, wenn dies nicht sogar bereits der Fall ist. Also frisch ans Werk, Freunde, die Schlachtplatte sei hiermit eröffnet. Willkommen zur...

Splatter-top-ten

1.BRAINDEAD

Peter Jackson setzt mit Braindead ein für allemal den Maßstab, was den geschmacklos-trashigen Splatter-Zombie-Spaß angeht. Nachdem "Return of the Living Dead’ schon bewiesen hatte, daß ein Zombiefilm durchaus als Komödie funktionieren kann, so ist Braindead die wesentlich radikalere, konsequentere Variante dieses Themas.

Die Handlung: Der Ödipuskomplex als Grundlage, läßt die allgegenwärtige Mutter nach dem Biß einer exotischen Ratte ins monströse ausarten. Bald wimmelt es von fleischgierigen Untoten. Entgültig kann sich Sohnemann erst von seiner Mutter lösen, als er ähnlich wie in der Schlußszene von "Bad Taste’, sich aus dem überdimensionalen Körper seiner Mutter windet und diesen so zum Platzen bringt. Gleichzeitig integriert Jackson eine bezaubernde Liebesgeschichte in sein Innereien-Inferno und baut eine durchaus ernstzunehmende Kriminalhandlung in die Handlung ein, die nicht übersehen läßt, daß bei all den blutigen Effekten ein Könner auf dem Regiestuhl sitzt. Das Jackson auch sehr wohl zu "seriösen’ Filmen imstande ist zeigt sein Nachfolger "Heavently Creatures’.

Lieblingsszene(1): Natürlich das finale Massaker mit dem umfunktionierten Rasenmäher. Noch nie wurden Untote so endgültig beseitigt.

Lieblingsszene(2): Für Freunde eitriger Vorlieben, die schöne Szene als Mutter (schon am Verwesen) Gäste zu Besuch bekommt. Nicht nur, daß sich das Ohr löst und in die Speise rutscht, so daß Mutter es zu ihrer eigenen Verwunderung im benebelten Zustand wieder zwischen die Zähne bekommt, auch eine unangenehme eitrige Wunde sorgt beim Gast für ein unerwartetes Sahnehäubchen im Pudding. Bon Appetit! Zensur: Auch wenn in der deutschen Fassung schon (zwangsläufig) einiges zu sehen ist. Die (z.B. dänische) Uncut-Version bietet natürlich wieder mal einiges mehr. Nicht nur die zu Beginn von einem Buschmesser bearbeiteten Gliedmaßen (kurze Gastrolle von Jackson selber) sind so im vollen Zuge zu genießen. Auch das Rasenmäher-Massaker ist in der deutschen Fassung ziemlich verstümmelt.

Härtefaktor: 10 von 10 Punkten

2.EVIL DEAD / EVIL DEAD II

DER ERSTE AKT: Erstmal ein Dankeschön an den Richter, der seinen Sinn für Humor nicht verloren hat, was man von so manchen Staatsanwälten wohl nicht behaupten kann. Evil Dead sollte auf dem Index landen, wie es so manchen anderen Horrorklassikern schon ergangen ist. Das wäre natürlich kein Hinderungsgrund, sich den Film zu beschaffen, aber es kam ganz anders, da sich ein besonnener Richter auf die Tatsache berufen hat, daß im Film ja keinerlei Menschen auf, für den Staatsanwalt, so entsetzliche Weise verstümmelt werden, sondern nur Untote. Somit ist die Menschenwürde auch nicht verletzt. Evil Dead wurde freigegeben, wenn auch in einer geschnittenen Version. Berühmt wurde der Film aber nicht durch seine Zerstückelungsszenen, sondern durch die rasenden Kamerafahrten aus der Perspektive des Waldungeheuers, untermalt von kreischenden Tönen.

Die Handlung: Fünf Freunde fahren in eine einsame Waldhütte und entdecken im Keller eine geheimnisvolle Tonbandaufnahme, die einen Waldgeist durch eine Beschwörungsformel auf den Plan ruft. Nach und nach werden alle in willenlose Monster verwandelt, bis auf Ash, der bis zum Morgengrauen durchsteht und das "Book of the Dead’, die Ursache allen Übels, verbrennen kann. Lieblingsszene: Eines der weiblichen Darstellerinnen wird im Wald vom Monster verfolgt (Kamerafahrt) und es kommt zu einer Beihnahevergewaltigung vom Grünzeug. Bis ihr schließlich die Flucht gelingt (Wieder Verfolgungsjagd mit der Kamera, kreischende Geräusche). Sie will ins Haus und findet nicht den Schlüssel, das Waldmonster kommt näher (Kamerafahrt auf das Haus zu) Endlich in letzter Sekunde rein ins Haus (Kamerafahrt rückwärts zurück) Zensur: Bei den Zerstückelungsszenen fehlt vermutlich in der deutschen Fassung so einiges. Ich könnte mir vorstellen, daß die Attacke mit dem Bleistift als Waffe (der Fuß wird zerstochen) so in der deutschen Fassung nicht zu sehen ist. Im Großen und Ganzen war die FSK (vielleicht auch durch die richterliche Befürwortung) gnädig gestimmt.

Härtefaktor: 8 von 10 Punkten

DER ZWEITE AKT:

Ash tritt erneut an gegen die Dämonen des Waldes. Regisseur Sam Raimi hat weniger eine Fortsetzung geschaffen, als viel mehr ein Remake, man könnte auch sagen eine Verbesserung seines Erstlings, mit der Betonung anderer Schwerpunkte. War Evil Dead noch durchaus ernsthaft zu sehen, so gewinnt hier der Slapstick, das Comic-hafte, die Oberhand. Es ist eine Show, die Ash bestreiten muß und die Bruce Campbell vollends in den Mittelpunkt rücken läßt. Raimi war immer schon am Experimentellen interessiert. Im zweiten Teil konnte er noch mehr die Möglichkeiten der rasenden Kamerafahrten, der schnellen Bewegungen mit der Kamera und den Effekten von lauten Geräuschen ausschöpfen. Die Handlung: Wieder fährt Ash, diesmal nur mit seiner Verlobten, in das einsame Waldhaus. Wieder ist seine Freundin nach kurzer Zeit von Dämonen besessen ("The Book of Death" usw.) .

Es beginnt ein Kampf zwischen Ash und dem scheinbar zum Leben erweckten Haus. Dann kommen noch zwei unerwartete Gäste, ihre Eltern in der Waldhütte vermutend. Diese waren, wie im ersten Teil auch schon, dem Buch des Todes auf die Spur gekommen und haben ein paar wunderliche Dinge im Keller hinterlassen, incl. die zum Dämon verwandelte Mutter als quiekende Hexe... Lieblingsszene: Die Hand von Ash ist vom bösen Walddämon geleitet und beginnt nun, ein unerhörtes Eigenleben. So muß Ash, einem Clown gleich, nicht nur zahllose Faustschläge ertragen, sondern auch eine ganze Sammlung von Tellern über seinem Kopf zerschlagen lassen. Es gibt nur eine radikale Lösung: Die Kettensäge... was für ein Irrsinn! Später muß er noch mit der Schrotflinte Jagd auf seine eigene abgetrennte Hand machen, die ihn "Addamsfamily’-like weiterhin terrorisiert. Zensur: Eigentlich gibt es hier nichts zu zensieren und deshalb wurde solange gesucht, bis man doch etwas gefunden hat. Die als Besessene immer wieder Ash attackierende Verlobte wird mit einem sauberen Spatenschnitt geköpft.

Da aber auch der Kopf ein penetrantes Eigenleben führt, wird er von Ash kurzerhand in eine Schraubstock gezwängt und in Form einer Schatten-Silhouette ist eine Zerkleinerung des Kopfs mit der Kettensäge zu sehen. Nun, dieses Schattenspiel wurde herausgeschnitten... als wenn die Jungs nichts Besseres zu tun hätten.

Härtefaktor: 6 von 10

3.DAWN OF THE DEAD

Nach Romeros "Night of the living Dead’ die logische Konsequenz. Nichts wird mehr von expressionistischen Kameraeinstellungen überlagert. Aus der schattigen Nacht ist heller Tag geworden. Es gibt nichts zu beschönigen, nichts zu verbergen. Der traditionelle Vampirfilm gehört der Vergangenheit an. Keine Spur von Erotik durch den Biß von Untoten. Stattdessen fallen die Verwesten über die Unverwesten her, reißen Fleischstücke aus der Schulter zerren an Gedärmen, machen sich über abgerissene Gliedmaßen her. Unverblümt wird alles gezeigt.

Dieser Film ist ein Abgesang auf die Abendkultur und nicht zuletzt eine vortreffliche Satire auf die Shopping-Center-Kultur. Das klassische Schreckenskino hat ausgedient. Es gibt kaum noch Momente wo Schrecken durch plötzlich aus dem Dunklen ins Helle schnellende entsteht oder wo like Hitchcock mit der Erwartungshaltung der Zuschauer gespielt wird. Stattdessen einfach nur ein dumpfer Terror. Romero insziniert eine perfekte Apocalypse. Ein Entrinnen scheint sowieso ausgeschlossen. Die Zombies sind überall. Sie wanken durch die Szenerie seltsam grün im Gesicht, wie in einem schlecht ausgeleuchteten Supermarkt und geben nur noch ächzende, stöhnende Laute von sich.

Wer einmal durch die Fußgängerzone der Gr.Bergstraße geschlendert ist, der kann sich nicht des Gedankens verwehren daß auch hier bereits die Zombies einhergehen. Wäre Karstadt nicht noch in Betrieb würden sie wahrscheinlich auch unbeholfen und in jeder Weise uninspiriert durch das Kaufhaus taumeln. Besonders die Szenen in denen sich die Helden wie in einer Schlangengrube den greifenden, beissenden Untoten entwinden wollen, immer kurz davor, infiziert zu werden, erzeugen einen Horror, der in der Form noch nicht dagewesen ist. Es ist dieses Penetrante , das unausweichlich näherkommende was den Terror von Dawn of the Dead ausmacht. Wenn der Held stolpert, am Boden liegt und die Untoten mit einem Gespür für Fleisch im Zeitlupentempo auf ihn zuwanken, nach ihm greifen, und sich über das bloßliegende nackte Bein beugen. Letztendlich behalten die Untoten die Oberhand und was macht das schon für einen großen Unterschied ob Du als lebender Mensch in sinnloser Weise durch irgendwelche bombastischen Shopping-Center schlenderst oder als Zombie.

Die Handlung: Vier Personen wollen vor dem bereits bestehenden Zombie-Inferno fliehen und verschanzen sich in einem riesigen (fast) leerstehenden Kaufhaus. So schaffen sie sich ihre eigene Welt unabhängig von der außerhalb immer mehr im Chaos versinkenden Wirklichkeit. Einen Strich durch die Rechnung macht schließlich eine, plündernd durch die Lande ziehende, Motorradbande. Am Ende bleiben nur noch zwei der vier Personen übrig, die mit dem Hubschrauber ins Ungewisse fliegen. Das Kaufhaus ist wieder von ziellos umherlaufenden Untoten bevölkert. Lieblingsszene: Die Fahrstuhlsequenz. Drei von den Vieren sind nur noch übrig. Einer von ihnen flieht vor Rockern und Zombies in den Fahrstuhl und will durch die Dachlucke verschwinden, dann öffnet sich unvorhergesehen die Fahrstuhltür und eine Schar Zombies stürmt voller Fleischesgier in den engen Raum, unser Held will noch verzweifelt durch die Luke klettern, während die Untoten schon an ihm nagen. Es gelingt ihm mit letzter Kraft, seine Peiniger durch gezielte (Kopf-)Schüsse zu beseitigen. ź Schnitt ź Die Fahrstuhltür öffnet sich, zum Untoten geworden, entstellt durch unzählige Wunden, taumelt er zusammen mit seinen neuen Freunden in Richtung der verbliebenen Lebenden.

Zensur: Hier wurde so ziemlich alles geschnitten, was in Kannibalismus mündet. Zu empfehlen ist deshalb die Directors Cut-Version, die um einiges länger ist. Also Finger weg von der normalen Videothekenfassung. Es dürfte keine Probleme geben, an die Directors-Cut-Version heranzukommen. Insbesondere das Finale, in dem die Rockerbande mit Motorrädern das Kaufhaus stürmt kommt so erst richtig zur Geltung. Leute, das ist schon extrem, was da zu sehen ist! Tom Savini, der Special Effekt Guru hat hier eine kleine Rolle und läßt sich genüßlich von Zombies zerlegen. Es wäre müßig, die vielen Szenen aufzuzählen, die in der gängigen Version auf dem Schneidetisch gelandet sind.

Härtefaktor: 10 von 10 Punkten

4. THE TEXAS CHAINSAW MASSACRE

Wieder einmal muß die angeblich wahre Geschichte vom verrückten Farmer, der Frauenhaut zu Ledermasken verarbeitet hat, herhalten. Schon Hitchcock wurde für seinen "Psycho’ von dieser Storie inspiriert und auch im Schweigen der Lämmer sind gewisse Ähnlichkeiten zu erkennen. Tobe Hooper, ein über alle Maßen überschätzter Regisseur, hat seinen einzigen guten Film hiermit abgeliefert. Aber T.C.M. ist ein echter Meilenstein geworden, ein Film berstend von roher, derber Gewalt. Gedreht im fast dokumentarischem Stil vermittelt T.C.M. einen selten intensiven Terror.

Die Handlung: Eine Gruppe von Menschen macht Rast in einem abgelegenen Örtchen. Ein großes verwildertes Grundstück mit einem verfallenen Haus ist Schauplatz des Geschehens. Irgendwo arbeitet ein "Landarbeiter’ mit einer Kettensäge. Plötzlich springt ein klobiger Kerl mit Lederhaut über dem Gesicht (Leatherface) und einer Kettensäge in der Hand aus dem Gebüsch und macht sich über die Gruppe her. Bald ist nur noch eine Frau übrig, die, vor "Leatherface’ fliehend (Hier ist der unangefochtene Rekord im Dauerschreien zu beachten, untermalt vom wohltuenden Lärm der Kettensäge), beim scheinbar freundlichen Schlachter um Hilfe sucht. Aber der gehört auch zur Familie die bald zu Tisch sitzt und Opa darf versuchen mit einem Hammer der inzwischen völlig hysterischen Gefangenen den Kopf aufzuschlagen als eine Art Variante des Rotweineinschenkens.

T.C.M. ist eine Parodie auf die bürgerlichen Ideale. Die Chainsaw-Familie ist eine Art Waltons Familie ins krankhafte gewandelt. Die amerikanischen Ideale konsequent weiterentwickelt. Der freundliche Schlachtermeister (als Familienoberhaupt) der auf so exzentrische Art und Weise seine preisgekrönten Würstchen herstellt, könnte Held jeder amerikanischen Grillparty sein. Zensur: Da es eigentlich schon aufgrund des extrem niedrigen Budgets nichts zu zensieren gibt, hat man kurzerhand einfach den ganzen Film aus dem Verkehr gezogen. Deshalb war es mir auch nur vergönnt, den Film zweimal zu sehen (Gelobt sei das Alabama in Eidelstedt und das 3001 im Schanzenviertel)

Härtefaktor: 7 von 10 Punkten

5. THE RE-ANIMATOR

Was wäre, wenn ein Serum tote Körper zum Leben erwecken könnte. Aus dieser Ausgangshandlung bastelt Stuart Gorden einen intelligenten Spaß in einer Mischung aus Studentenulk und Blutorgie im comic-haften Stil. Eigentlich tun die Menschen gar nichts direkt Böses, das Unglück entsteht aus den Komplikationen und einmal ins Rollen gebracht ist es nicht mehr zu stoppen. Mit einer harmlosen Katze beginnend, endet alles mit einem reanimierten abgetrennten Kopf und einem Inferno in der Pathologie der Universitätsklinik.

Die Handlung: Zwei Studenten experimentieren mit dem besagten (neongrünen) Serum und werden deshalb von der Universität verwiesen. Dr. Hill der böse Gegenspieler von West (dem Erfinder des Serums) ist das erste Exemplar bei dem die Reanimation (mit abgetrennten Kopf) in zufriedener Weise funktioniert. Aber Dr. Hill kommt jetzt erst richtig in Fahrt, entführt die Studentin Meg und lockt so die beiden tölpelhaften Studenten zum Finale in den Leichenkeller. Lieblingsszene: Der erste Versuch eine Leiche (mit krimineller Vergangenheit) zum leben zu erwecken. Das Unglück nimmt seinen Lauf, als die Leiche tatsächlich wieder quicklebendig alles kurz und klein schlägt und dann auch noch der Vater der Verlobten hereinstürmt und von einer aus der Angel geworfenen Tür erschlagen wird. Jetzt gibt es kein zurück mehr, der Stein ist ins Rollen gebracht worden. Dem zukünftigen Schwiegervater wird auch das Serum verabreicht.

Zensur: Das Finale am Schluß ist in der deutschen Version stark verstümmelt. Insbesondere die legendäre (aber im Original auch nur angedeutete) Oralverkehr-Szene zwischen dem Kopf von Dr.Hill (sein Rumpf hält ihn in den Händen) und der nackt auf dem Seziertischen gefesselten (screaming-) Meg. Natürlich ist auch das nachfolgende blutige Gemetzel nicht in der geschnittenen Fassung enthalten.

Härtefaktor: 8 von 10 Punkten

6. RETURN OF THE LIVING DEAD III

Der dritte Teil der "Living Dead’ - Saga ist Pulp pur. Einzige Gemeinsamkeit mit dem ersten Teil ist die legendäre Tonne, als Ausgangspunkt des Geschehens. Ansonsten kommt der dritte Teil eher ernst daher und läßt im Gegensatz zu den Vorgängern an Härte nichts zu wünschen übrig. Die Handlung ist nur so triefend von Trivialität, was aber irgendwie in diesen Film paßt. Brian Yuzna läßt eine bittersüße Teenagertragödie in sein Monsterspektakel einfließen und das auch noch im zeitgemäßen Grunge (ächz) Gewandt. Blöder können Teenager eigentlich nicht sein, aber das alles ist natürlich nur Vorwand um die eigentliche Zombiehandlung zum Kochen zu bringen.

Die Handlung: Zwei verliebte Teenager schleichen sich aus "fun" in den militärischen Sicherheitstrakt von Big-Daddy. Hier werden sie Zeuge eines mißglückten Experimentes: Ein Toter wird durch die ominöse, gasauströmende Tonne zum Leben erweckt und gerät außer Kontrolle. Kaum wieder mit dem Motorrad unterwegs, passiert natürlich, was passieren muß, die Allerliebste knallt bei einem Unfall mit dem Kopf gegen einen Baum --- "Knacks" --- Tot! Aber unser Teenie ist ja nicht von Gestern. Was hatte er bei Daddy soeben gesehen? Richtig, die Tonne, die Tote zum Leben erweckt. Wir möchten noch sagen "Laß es, das wird ein schlimmes Ende nehmen" aber dann würde uns die folgende herrlich bescheuerte Zombiehandlung entgehen, die mit einem scheinbar ordentlichen Bugdet jeden Splatterfreund zufriedenstellen wird. Piecing bekommt hier eine ganz neue Dimension (wieder sehr "trendy’ in den Film eingebaut) und gibt seiner untoten Helden fast schon einen zeitgemäßen Kultstatus.

Brian Yuzna ("The Dentist") ist ein hervorragendes sehr stimmiges Pulp-Movie gelungen. Hier paßt die herzerweichend kitschige Teenie-Storie perfekt in das Handlungsgerüst und gibt dem Begriff "Liebe über den Tod hinaus" einen ganz neuen Sinn. Natürlich endet die Geschichte wie in einem zweitklassigen Romeo und Julia Drama, natürlich sind die Militärs die eigentlichen Übeltäter (und müssen auch entsprechend büßen) und natürlich wird wahrscheinlich noch ein vierter Teil folgen auch wenn am Schluß alles in die Luft fliegt.

Return of the Living Dead III ist gerade durch seine penetrante Ernsthaftigkeit ein Vergnügen sondergleichen. Lieblingsszene: Das erste Experiment im Glaskasten, was natürlich ganz und gar in die Hose geht. Das untote Monster sieht wahrhaft schreckenserregend aus. Kaum ist es wiederbelebt und scheinbar dann wieder unschädlich gemacht, (Das ganze soll wieder einmal als militärische Waffe dienen) fällt es auch schon über die hilflosen Soldaten her, die im Glaskasten zusammen mit dem Wesen eingesperrt sind.

Zensur: Auch hier war die FSK fleißig am Werk. Wieder einmal beweißt dies, das Horrorfilme scheinbar auf diese feisten, dumpfen Herren, die lüsternd, sabberndernd endlose Pornonächte zu ihrer Freizeitbeschäftigung erkoren haben, eine besonders provokante Wirkung zu erzielen scheint. In diesem Film wird vorsichtshalber alles herausgenommen, was auch nur den Hauch einer Brutalität enthält. Wenn vielleicht jemand zufällig Polizeiruf 110 gesehen hat in der Folge, als Dieter Krebs als amoklaufender Russe zahllosen Gegnern das Genick gebrochen hat, ein lautes Knacken lies dies nicht überhören, den könnte vielleicht verwundern, warum der dagegen fast harmlos anmutende Flug vom Motorrad mit anschließenden Aufprall gegen einen Baum die Zensurbehörde auf den Plan gerufen hat (Das knackende Geräusch ist geschnitten). Das ist natürlich noch nicht alles, so daß die deutsche Version nur noch als verstümmelt bezeichnet werden kann.

Härtefaktor: 9 von 10 Punkten

7.- HELLRAISER II

"The suffering, the sweet sweet suffering" Der zweite Teil von Hellraiser ist eine Sinfonie des Schmerzes, wie schon die ausdruckslose Stimme aus dem Off zu Beginn ankündigt. Was im ersten Teil nur angedeutet wurde wird hier offenbart. Die Hölle ist ein Labyrinth der verlorenen Seelen. Jeder hat seine eigene ganz private Hölle mit damit verbundenen lustvollen Schmerzen. Clive Barker hat hier nicht mehr Regie geführt aber das Drehbuch geschrieben. War der erste Teil eher an eine klassische Horrorhandlung gebunden, so scheint im zweiten Teil der Phantasie keine Grenzen gesetzt zu sein (allenfalls durch das Bugdet).

Pinhead ist der Dämon des Schmerzes; wir erfahren wer Pinhead ist, bzw. was ihn zu dem gemacht hat und immer wieder rückt die geheimnisvolle Box in den Mittelpunkt des Geschehens. Hervorragend ist der Chefarzt der Klinik als Figur des "mad scientist’ besetzt, der mit allen Mitteln erfahren will, was die Welt zusammenhält, bzw. was hinter der diesseitigen Welt existiert. Die Handlung: Pinhead is back! Die Zenobiten kontrollieren das Labyrinth der Hölle. Die Heldin des ersten Teile irrt durch die Gänge auf der Suche nach ihrem Vater. Auch der böse ("Come to Daddy") Onkel Frank taucht wieder auf und die Stiefmutter, im ersten Teil Komplizin des Bösen, wird dank einer blutigen Matratze und eines sich selbst verstümmelnden Irren vom besessenen Chefarzt der Klinik in diese Welt zurückgeholt. Dieses und einiges mehr erwartet uns in der konfusen Handlung, die scheinbar ein wenig dem verworrenen Labyrinth der Hölle gleicht. Der Zeitfaktor spielt keine Rolle mehr, Tag und Nacht sind auch aufgehoben. Die Realitätsbezüge, wie z.B. der Ort des Krankenhauses lösen sich im Film langsam aber sicher auf.

Lieblingsszene: Als die Stiefmutter zurückkehrt. Hier wird wieder ganz im Barker’schen Sinne die Schönheit des vermeintlich Entstellten gepriesen. Nur durch Muskelgewebe abgedeckt wandelt sie durch das steril weiße Haus des Arztes, der sich dieser Schönheit auch nicht entziehen kann. Zensur: Oh ja, es fehlt einiges, u.a. die gesamte Opferszene (der aus der Anstalt geholte Irre zerschneidet seine Haut mit einer Rasierklinge, bis die Stiefmutter (durch die Matratze) aus der Hölle gekrochen kommt und sich, im Blut wälzend, über den armen Mann hermacht). Aber auch das Ende von Pinhead wird uns vorenthalten und die unschöne schmerzhafte Verwandlung des Arztes genauso wie sein Abgang am Ende bleibt in der deutschen Version nur angedeutet.

Härtefaktor: 9 von 10 Punkten

8. NIGHTBREED

"It’s just a dream, Median doesen’t exist, monster don’t exist" (Decker zu Boone) Und noch einmal Clive Barker. Eigentlich kein Splatter-Film aber vielleicht sein bester Film in Eigenregie. Hier wird alles Gängige aufgehoben. Nicht die Monster sind die Bösen sondern die, die sie nicht in ihrer heilen Welt ertragen können. Parallelen zu "Freaks’ sind vorhanden oder auch zum "Elefantenmenschen’. Nur das Barker den klassischen Monsterfilm im Visier hatte, den er komplett umkehren wollte.

Einige Schwachpunkte, die wahrscheinlich von finanzieller Natur sind, werden ausgeglichen durch die sorgfältig aufgebaute Handlung und die Vielseitigkeit, die Nightbreed zu einem wahren Juwel machen.

Die Handlung: In Median leben die Ausgestoßenen, die Entstellten, die Untoten Schattenwesen. Unter einem Friedhof haben die Monster ein friedliches Zuhause gefunden, wäre da nicht Boone, der durch Träume immer wieder an den Ort Median gezogen wird. Boone ist in Behandlung eines Psychiaters Dr. Decker (wunderbar David Cronenberg), der ihm weismachen will, er sei der gesuchte Psychopath der schon mehrere Familien ausgerottet habe. Dabei ist er selber diese Person. Wir werden Zeuge wie er, hinter einer grauen Maske verborgen, eine Familie auslöscht. Decker ist der schwarze Mann, der Alptraum aller Kinder, der Bote des Todes (Eine schreckliche Szene, als Decker sich auf der Treppe einem kleinen Jungen nähert, der regungslos auf den wahr gewordenen Alptraum starrt und weiß, daß es jetzt kein Entrinnen mehr gibt). Boone wird als vermeintlicher Täter auf die Initiative von Decker hin erschossen und so in Median als Untoter in die Monsterliga aufgenommen. Decker, der es nicht ertragen kann, daß es eine Welt wie Median gibt, setzt mit Hilfe des faschistischen Sheriffs alles in Bewegung um diesen Ort zu zerstören.

Zensur: Ist mir keine bekannt. Härtefaktor: 6 von 10 Punkten

9. DAY OF THE DEAD

Das Requiem von Romero. Ähnlich wie Sergio Leone mit seiner Amerika-Trilogie hat Romero seine apocalyptische Zombiewelt zuendegedacht. Wir haben es ja schon geahnt: Die Zombies sind die besseren Menschen. Sie lassen sich von ihren Grundbedürfnissen leiten (Menschenfleisch fressen) und haben so keine unsinnigen anderen Gedanken. Aber lassen sich auch Zombies konditionieren, sind sie lernfähig? Dieser Frage und einigen anderen mehr geht Romero im letzten und finalen Teil seiner Saga nach. Der Grundton ist ein Pessimistischer.

Day of the Dead ist wie ein Kammerspiel, inszeniert am Rande des Infernos. Mit Day of the Dead hat sich die Zombiewelle endgültig verabschiedet. Es folgte auch kein billiger Italotrash mehr. Aus,Schluß,...vorbei.

Die Handlung: Die Welt ist von Zombies bewohnt. Eine kleine Gruppe von Militär und Wissenschaftlern verschanzt sich in einem Stützpunkt unter der Erde und brütet nach einer Lösung vor dem unausweichlichen Ende der Welt. Dazu fangen sie immer wieder Untote ein, um an ihnen zu experimentieren. Tatsächlich gelingt es einem Wissenschaftler einen Untoten zu dressieren und ein geradezu freundschaftliches Verhältnis aufzubauen (Der Meister und sein Monster) Natürlich braucht der Untote trotzdem Menschenfleisch. Bald entstehen zwei Fronten in der Gruppe, so daß es geradezu befreiend wirkt, als endlich die Zombies in das unterirdische Versteck gelangen und auch hier bis auf zwei, sich im Hubschrauber rettende Personen, alles Lebende in (Un-)totes verwandeln. Lieblingsszene: Wieder einmal das Finale, in dem die Untoten durch ein Aktivieren des Lastenaufzugs in das unterirdische Lager stürmen. Romero hat hier endgültig und radikal den sittlichen Anstand überschritten und damit sicher auch für die meisten den guten Geschmack (Ich erinnere mich noch gut an die "Buuuh"-Rufe bei einem Chris & Cosey Konzert in der Markthalle, wo Ausschnitte aus Day of the Dead gezeigt wurden). Was das Genre des ernsthaften Splattermovies angeht, ist Day of the Dead ein würdiger Abschiedsfilm geworden. Tom Savini darf sich noch einmal richtig austoben und alle seine meisterlichen Special Effects einsetzen. All das was heute leblos der Computer übernimmt (Siehe From Dusk till Dawn, netterweise mit einem Gastauftritt von Savini). Vielleicht hat jemand zufällig auf ARTE die BBC Sendung von Clive Barker (ABC des Horrors) gesehen, in der die legendäre Schlußszene (der fanatische Militärkommandeur wird von den Zombies buchstäblich auseinandergerissen) vom Special-Effect Meister himself erläutert wurde. Für diese Szene verwendete man übelriechende Tierinnereien, so daß der Darsteller deshalb (und nicht aufgrund schauspielerischer Qualitäten) so einen schreckensbleichen Gesichtsausdruck hat.

Zensur: Es braucht eigentlich gar nicht erwähnt werden, daß insbesondere im Finale fast alles fehlt. Wie es scheint, ist zur Zeit der Film aber sowieso nur als Import erhältlich.

10. SUSPIRIA

Wenigstens mit einem Film soll die italienische Liga hier auch vertreten sein. Deshalb zu guter letzt ein Film von Dario Argento, der sich als einer der wenigen Regisseure des Italo-Horrors vom holprigen, vor unfreiwilliger Komik berstenden, Trash seiner Kollegen abhebt. Mit seinem Sinn für farbige Dramaturgie und einer Begabung insbesondere einzelne Szenen mit einem perfekten Suspense zu inszinieren, hat Argento seinen eigenen Stil bewahrt und hebt sich so wohltuend von den vielen anglo-amerikanischen Plagiaten ab. Den Vorwurf, daß seine Filme perfekt inszeniert sind, dafür aber die Handlung meistens unter aller Sau ist, muß sich Argento gefallen lassen. Seine Filme sind Performances des Todes. Eine Abfolge von meisterlichen Sterberitualen, die viel über die (psychisch kranken?) Visionen Argentos aussagen.

Lieblingsmotiv ist die saubere, meistens in einer Szene lange vorbereitete, Attacke mit einem großen Messer, sozusagen der Lieblingstod im Argento-Film. Die Morde sind in jeder weise abstrakte, künstlerische Akte der Gewalt. Es soll hier auch nicht unerwähnt bleiben, daß Argento nicht nur maßgebend an Dawn of the Dead beteiligt gewesen ist, sondern auch in Sergio Leones Meisterwerk Spiel mir das Lied vom Tod in der eindrucksvollen Eröffnungsszene seine Finger in entscheidender Weise im Spiel hatte. Suspiria ist neben dem Nachfolger Inferno der einzige ins Irreale abgleitende Film.

Die Handlung: Willkommen in Grimms Märchenwelt! In einer Ballettschule für blutjunge Mädchen in Freiburg(!) geschehen geheimnisvolle Morde, scheinbar von einer dunklen Macht gelenkt. Die neu dazugekommene Amerikanerin Suzy Banyon kommt dem Geheimnis auf die Spur. In verborgenen Trakten des alten Gemäuers lauert das Böse in Form einer uralten Hexe, Anlaß für zahllose greuliche Sterbeszenen junger Ballettstudentinnen, bevor der Jahrhunderte alten Macht den Garaus gemacht werden kann.

Lieblingsszene: Gleich zu Beginn die volle Dosis Argento’schen Sterbens. Als die Amerikanerin ankommt, rennt gleichzeitig eine verstört wirkende Frau an ihr vorbei in den dunklen Wald hinein. Untermalt von der unglaublichen Musik von Goblin (geeignet für jeden erdenklichen psychedelischen Trip) erreicht sie ein nahegelegenes Hotel, wo eine Freundin sich aufhält. Die Kamera schwenkt unheildeutend auf die große verzierte Glasdecke in der Eingangshalle. Im Hotelzimmer läßt ein Luftzug das Fenster aufschlagen. Die Musik setzt wieder ein. Irgend etwas lauert da draußen im Dunklen...nein, es ist nur die Wäscheleine. Sie hält eine Stehlampe ans Fenster. Sind da nicht gelblich, böse funkelnde Augen im Dunklen zu sehen gewesen? Plötzlich greift ein behaarter Arm nach ihr... .Die Performance des Tötens kann, einem schonungslosem Alptraum gleich, beginnen und endet mit einem Sturz (eine Leine um den Hals gebunden) durch das besagte Glasdach der Eingangshalle. Die Kamera gleitet ein wenig lüstern an dem hängenden Körper entlang, bis sie in einer langsamen Bewegung bei der, am Fußboden liegenden, durch herunterfallende Scherben getöteten, Freundin verharrt. Argento hat wahrlich seltsame (Alp-)Träume/Phantasien! Zensur: Die Wahrer von Sauberkeit und Recht und Ordnung haben wieder penetrant zugeschlagen und aus der deutschen Version eine im Kinderkanal geeignete Fassung geschaffen, die Argento in keinster Weise Gerecht werden kann.

Härtefaktor: 8 von 10 Punkten

Zu guter Letzt: Wer sich noch mehr weiterbilden will, dem seien hier noch einige Buchtips ans Herz gelegt:

Preisgünstig ist die, in der Heyne Filmbibliothek erschienen Taschenbuchausgabe Die 100 besten Horror-Filme von Hans Schifferle, der nicht um den heißen Brei herumredet oder sich an öden Vampirfilmen aufhält. Wen insbesondere die Garantie der Uncut-Version interessiert, der kommt nicht herum, in Die Angst sitzt neben Dir zu stöbern. Ein mehrbändiges (auch als CD-Rom erhältliches) Werk, in dem der Autor Durchhaltevermögen bewiesen hat. Auch der noch so schäbige Film ist enthalten und scheint vom Autor persönlich gesehen worden zu sein. Kaum zu glauben, aber auch Psychologie Heute hat sich mit dem Phänomen des Horrorfilms auseinandergesetzt. Ein Autor dem eine solide Grundkenntnis abzunehmen ist, und der außerdem auch noch ein Fan des Genres zu sein scheint, hat sich mit diesem Thema in erfreulicher Weise beschäftigt. Leider ist mir der Titel, des als Taschenbuch erschienenen Werkes entfallen.

zum Anfang

Dirk Ziegler