Kritiken:


Wein der Saison

Gaumenfreunde aufgepaßt, es ist wieder so weit! Die Weinsaison hat begonnen.

Und wer geglaubt hat, dass deutsche Weine nicht mit italienischen oder französischen konkurrieren könnten, muß sich erneut eines Besseren belehren lassen.

Die "Rüdesheimer Schloßkapelle", eine spritzige 98er Weißwein-Spätlese, läßt keine Wünsche eines Weinkenners aus. Ein Wein, der sich durchaus mit einem 44er "Oberst Langstein" messen kann.

Sein variables Bouquet, welches bei einer optimalen Temperatur von 24 °C ähnlich wie faulige Weintrauben in Spiritus schmeckt, eignet sie sich auch als Zwischendurchwein oder sogar, wie sonst nur wenige, zu Bier.

Pelzig-trocken schmeckt das Anbaugebiet und die Rebsorte – eine Emsländer Blattlaus – heraus.

Das Bouquet bleibt trotz seiner Unterschiedlichkeit prägnant und dominant auf dem Gaumen liegen, auch noch 3 Tage später.

So wundert es denn nicht, dass gerade der Genuss zu altem Fisch mögliche Nebenwirkungen wie Stechen im Hinterkopf, vorübergehende Blindheit oder hornbläserartige Geräusche im Kopf auslöst, weshalb er in Fachkreisen den Spitznamen "das Jagdhorn" besitzt.

Darum befindet sich ein kleiner Service auf dem Etikett, wo alle möglichen bekannten Wirkungen nach Gefahrenstufen aufgeführt sind.

Das auf dem Etikett abgebildete Anbaugebiet nahe Rüdesheim ist allerdings etwas irreführend, denn tatsächlich kommt er aus dem östlichen Teil des Ruhrgebiets, weshalb es auch nur 600 Flaschen gibt.

Dies ist nicht nur für den Kenner interessant zu wissen, versuchte schon 1994 die Weltgesundheitsbehörde (WHO) alle Flaschen sicher zu stellen, glücklicherweise erfolglos, so dass der Genießer diese seltene 2-Liter-Weinperle für 2,80 DM über seine Leber schütten kann.

 

Gunther Marks