Poetry:


Im Grenzgebiet

 

Als wir durch den Juni drifteten

und die Straßen langsam durch die Häuserlandschaften flossen

der Himmel blaugrau sich senkte

auf den kühlen Strom

begegneten uns die zurück Gebliebenen

Sie säumten stumm die Ufer der stürmischen Seen

angespültem Treibgut gleich

das man noch nicht hin gebracht

zu den Müllkippen

Im Café der Randzone versteckten wir uns

träumten uns in Schwerelosigkeit

während das fallende Tablett des Alten

Ewigkeiten dem Boden entgegen strebte

die Träume in Zeitlupe splitterten

Die Bilder der Hingerichteten überlagerten sich

mit den Fassaden der neuen Bürotürme

in denen sie ausgestellt hingen neben Werken

bekannter Modefotografen

Die Geschäftigkeit des Zentrums

in das wir uns nur gepanzert wagten

ließ alles zu

Später..

die Dämmerung der Nacht im Angesicht

legten wir die Körper rücklings auf die staubige Ausfallstrecke

verklebten uns die Haare mit warmen Asphalt

und warteten

Die Sonne verschwand hinter Lagerhallen von Erinnerungen

Es war die Drehung des Planeten,

ein langsamer fade-out

 

 

Frederike Haberkamp