Poetry:


Juni

 

Der Nachmittag

da warme Luft und verlorene Tropfen am Balkon

absackten in diesen Holzstuhl Marke Rustikal

auf dem meine Lunge Rauch erhielt

mich mitnahm und träger werden ließ

Spülten Gedanken flau umher

bis zu den Dächern

den Bäumen dem Meer

Schwappte mein Blick in die Welt

und sickerte in gepinselte Wände,

Blumenkübel, Plastikfenster, stöhnende Leiber

inmitten klebriger Stadt

Dann die Kaffeetasse

in den Händen,

Ein Zylinder schwarzer Flüssigkeit

darin sich mein Gesicht spiegelt:

Einmal muß man aufbrechen

Heimwärts über Scherben und stoned

Die Dinge bewegen sich zähflüssig

Alles backt aneinander

Wie öliges Blei träufelt es aus der grauweißen Masse

so daß mein Velo schwerer tritt

Langsam geht die Fahrt voran

ins Herz der Finsternis

Ganz falsch

dort hinten ist kein Dunkel

höchstens eine Bierfabrik unter aschigem Himmel

Speichel auf dem Kopfstein

Hundekot und jene Büchernamen in meinem Regal

immergleiche Menschen an immergleichen Orten

übriggebliebene Union-Briketts

sowie die Matratze zum Abstützen all des dahinfließenden Zuwenig- und Zuvielseins


Matthias Eichhorn