Poetry:

 

Platitüden

 

Das weiße Papier vor mir,

mein Kopf ... leer.

Die Daumen blaugrün von der Tinte.

Ich frage nach dem Sein, nach dem Leben

- das geht weiter -

doch vor allem, nach dem Essen von morgen.

Morgen ist auch was du heute noch ein Tag besorgen.

Anonym setze ich mich neben dich,

du kennst nur meinen Namen,

und auch den wirst du vergessen, wenn...

so alt treffen wir uns nicht wieder, also,

wir feiern den Mythos des Moments.

Und jetzt beginnt der Rest von deinem Leben.

So jung, so jung soll man nicht sterben.

Pläne und Entwürfe, jung - und dynamisch,

ein junges Team expandiert, vervielfältigt,

plant und entwirft, macht Geld und

geht pleite

die Schale des Lebens, für das man lernt,

und lernt und lernt und lernt,

ein Leben lang, bis die Schulglocken die

siebte Stunde beenden - seit nicht

allzulanger Zeit müssen wir immer länger nachsitzen.

Lebensabende, Kreuzfahrten, Versicherungen -

ausgezahlte - Bücher und Photos,

davon ganz viele.

Das wäre anders nicht möglich gewesen.

Wir haben es geschafft, denn die Konkurrenz schläft nicht

aber die Alterspyramide, die

macht uns Sorgen

Die Rente und die Erde ist eine Scheibe

die Mattscheibe vor mir, doof

das Bier neben mir wie mein Kopf,

ich war eine Dose

ach ja, die Programme

sind gelöscht.

 

Klaus Tietgen