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PLÜSCH AUS

Der Mann schlitzte den Teddybären seiner Frau auf und legte sich neben das ausgeweidete Plüschtier. Die tiefe Zuneigung war ihnen irgendwie abhanden gekommen, nun mußte die Materie leiden.

'Besser als im Knast zu sitzen!', dachte der Mann, "Du Teddybärmörder!!", schrie die Frau, "meine einzige, fast lebende Figur aus meiner Kindheit hast du zerstört! Gott, würde man dich dafür doch einsperren können!"

"Gott ist selber eingesperrt!", sagte der Mann und hielt dem Teddy den aufgeschlitzten Bauch zu.

Im Schulfach Nadelarbeit hatte er als kleiner Junge immer eine 1 gehabt, Schiffchen gestickt und Fahnen geflickt, und jetzt hielt er nur einfach einen Bauch zu und wußte nicht, wohin mit seinem verlagerten Harakiri, drückte dem Teddybär seinen Kippen ins stoffige Hinterteil.

Die Frau ging in die Küche und brachte ihm Beruhigungsmittel.

Der Mann schluckte die Pillen, taumelte beim Müdewerden ins Bad, steckte sich seinen Plastikanaldehner in den Rachen und kotzte in die Badewanne, stöhnte unter herausquellenden Tränen ein "Was ist die Summe der Menschen doch nur für eine billige Imitation der Universummen ohne Aufklärung im Raum!" empor, stieß noch einmal den Dehner tief in seinen Kopf, würgte, spuckte grünbraunen Qualstersaft und nahm sich vor, demnächst den Teddy zu reparieren.

"Ich werde den Teddy flicken!", würgte er aus dem Badezimmer heraus.

"Wir werden gar nicht mehr ficken!!!", schrie seine Frau.

"Nicht ficken!!! Den Teddy flicken!!!", gurgelte der Mann zurück.

"Es geht nicht mehr", murmelte die Frau, "warum versteht der Idiot mich nicht?"

Die Frau nahm ihren Teddy und schmiß ihn in den Müll.

Der Mann spülte die Badewanne aus, packte das Plastikteil zurück in den kleinen Pappkarton und setzte sich aufs Klo, hörte den Wind durchs angekippte Fenster zischen und überlegte, wo eigentlich der Nähkasten stehen könnte?

 

 

Jürgen Landt