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"So, du kleine Ledersau!"

Während er ihr hardcoremäßig sein Ding reinsteckt schreit er aus Leibeskräften. Es erscheint mir, als würde es ihn ungeheure Anstrengung kosten: Die Halsschlagadern treten deutlich hervor, und seine ohnehin schon roten Backen tun ein übriges.Sie sucht derweil ein Schmunzeln zu unterdrücken. Er gebärdet sich nach wie vor wie ein Neandertaler, und seine Vorstellung vom dominanten Part entspricht entschieden nicht ihren Bedürfnissen, geschweige den Wünschen.

Unterdessen breitet sich in der Wohnung der leicht stechende Geruch von verbranntem Fleisch aus, und ich stehe auf, um in der Küche nach dem Rechten zu sehen. Oh, mein Gott. Bei dem Versuch für den Kleinen Milch aufzuwärmen ist Melissa bewußtlos geworden und mit dem Gesicht direkt auf die Herdplatte gefallen. Die Nadel steckt noch in ihrem Arm. Ich packe sie am Schlafittchen und versuche den hei;ßen Kuß langsam zu lösen, wobei ich mit reichlich Wasser von Seiten der Spüle nachhelfe. Mittendrin klingelt es plötzlich an der Tür. "Aufmachen, Polizei!", tönt es.

Als nächstes splittert Holz. Der Kleine wird wach und fängt an zu schreien während aus dem Nebenzimmer unverändert das Gebrüll kommt. "Ledersau! Du geile Ledersau!" Ich sehe mich um und weiß, daß ich keine Zeit mehr haben werde den Stoff im Klo hinunterzuspülen: Ich werde keine Zeit mehr haben irgendwelche Beweismittel verschwinden zu lassen. Ich bin ein gottverdammter kleiner Cracknigger auf seinem letzten Ritt. Eins zu Null für euch. Das von eben mu;ß ich widerrufen.

Ich bin gar kein Cracknigger. Weder Crack, noch Nigger. Ich bin ein schmieriger kleiner Whitey, der auf Pillen abfährt.. Letztens hab ich mal auf Anraten und Veranlassung vom Klinikarzt Žne Schädeltomographie oder so ähnlich machen lassen und bei der Gelegenheit wurde dann festgestellt, daß ich Löcher im Kopf habe. Deshalb müßt ihr aber jetzt nicht anfangen zu weinen, ich tu es ja schließlich auch nicht. Sind auch keine schlimmen Löcher. Irgendwie in so Teilen vom Hirn, die man garnicht braucht, O.K.? Kommt auch nicht vom Pattex, sondern vom Speed. Amphetamin ist ein viel reinerer Stoff als Pattex. Pattex ist nur was für Asoziale. Da kann man sich auch direkt Žnen Sylvesterknaller in den Enddarm stecken. Kommt ungefähr aufs selbe raus. Oder was meint ihr?

Na, ist eigentlich ganz egal was ihr meint. Was ich auf jeden Fall eigentlich sagen wollte ist, da;ß ich im Gegensatz zu Hardcore Willy und seiner devoten Ficke so Žne Art Haftverschonung bekommen habe. Die drehen mich hier ganz schön auf links, und ohne meinen Geheimvorrat wäre ich auch bestimmt nicht mehr so cool. Wenn ich den Gang runtergehe kann ich rechts durch die Sicherheitstüren in die Forensik gucken, da gibts den richtig harten Stoff. Für mich ist da nichts drin. Für mich gibts nur schwarzen Tee und Krankenhausfraß und Raucherzimmer, bei denen die Griffe am Fenster fehlen. Gestern hab ich so Žnen Hardcore Nikotinfall kennengelernt. Vor acht Monaten das erste Bein, vor drei Wochen das zweite. Sitzt auf seiner Rollbude heimlich im Garten und führt hinter einem überdimensionalen Kirschlorbeerstrauch zitternd die Filterlosen zum Mund.

Einen Arm hat er ja noch übrig, aber dann wird es mit dem Rauchen auch irgendwann schwierig werden. Naja. Hauptsache, sie lassen den Kopf dran. Da vorne kommt gerade der Oberarzt. So ein unheimlich vielbeschäftigter. "Du machst dich, mein Junge." Du machst dich“ wird er sagen. Wenn ich ihm gerade in die Augen sehe weicht er sehr bald aus und fängt an, irgendwelche komischen Geschichten zu erzählen. Ich weiß nicht was mit ihm ist, aber ich versuche ihn ein bißchen bei der Stange zu halten. Im Prinzip ist er gutartig.

Manche von diesen Jungs haben Jahrzehnte im Krankenhaus verbracht und fühlen sich daher in einer Art Richterposition. Aus ihrem Blick spricht eine strenge Arbeitgebermentalität, und das, gepaart mit der uneingeschränkten Herrschaft über die Chemie, kann dich ohne weiteres den Kopf kosten. Wenn ich allerdings bei meinem hier ein bißchen die Schau abziehe könnte ich von Lexotanil über Valium so gut wie alles kriegen, was ich will, wenn da nicht die Schwester wäre. Die kennt sich aus und hat ihn voll im Griff.

Letztens grinst sie mir zu und bietet mir Atosil an - in meinem Bericht hatte ich erwähnt, daß ich davon mal Stimmen gehört habe, natürlich in Kombination mit anderen Sachen. Seitdem habe ich auf diese Neuroleptika keinen gro;ßen Bock mehr. Sie haben eine diffuse Wirkung, sehr schwammig, schwer definierbar. Naja, wie gesagt, die Schwester wei;ß Bescheid.

Lang halte ich das hier jedenfalls nicht mehr aus. Mein Vorrat geht langsam aber sicher zur Neige, und wenn ich dann erstmal auf dem Trockenen liege komme ich bestimmt so drauf wie der Arzt. Fasele dummes Zeug und gucke an die Wand, wenn jemand mit mir redet. Willkommen im Club. Und einmal pro Tag dann die Therapiestunde. Letztens ging es darum, ob man mit sich zufrieden ist oder so ähnlich und am Ende fragt er mich, ob ich manchmal gerne jemand anders sein möchte.

Ja, sage ich. Am liebsten wäre ich ein Schwarzer, deshalb hab ich das auch vorhin gesagt, mit Cracknigger und so. Aber soŽn Klischeeschwarzer, mit Žnem langen Schwanz und der geilen Genetik. Wenn ich Žnen langen Schwanz hätte, dann bräuchte ich in meinem ganzen Leben nie wieder zu arbeiten. Ich würde mich ins Cafe Krümel setzen, wo all die ausgebrannten Vierzigjährigen rumhängen und dann würdŽ ich mir eine mit Arsch und Kohle ranholen. Eine die mit Selbstwertgefühl und so ein bißchen aufgemöbelt werden mu;ß. Die würde ich dann ficken und lecken und das ganze Programm mit ihr durchziehen. Danach bring ich sie auf Koks und wenn ich Glück habe erlebe ich ihre zweite Pubertät. Sie wird mich lieben und mir vor lauter Hörigkeit einen 500er Mercedes Roadster zum Geburtstag schenken. Oder einen 64er Lincoln Continental. Mit durchgehender Sitzbank. Ja genau.

Am Ende sind Haus und Hof verkauft und die Karre wird inklusive uns beiden irgendwo in Spanien stehen. Während ich ihre schöne große Kiste mit beiden Händen gut festhalte hat sie den Befehl mir ins Gesicht zu kommen, aber bitte kräftig. Zum Abschluß küße ich sanft aber bestimmt ihr Arschloch während sie mir derweil eine Rolle Tausender um den Schwanz bindet. Irgendwann habe ich sie dann soweit, daß sie meine Scheiße vergolden möchte, und spätestens dann wird es höchste Zeit, sie in den Hintern zu treten. "WerdŽ doch endlich mal erwachsen“ sage ich dann zu ihr, und während sie aus ihren gro;ßen rehbraunen Augen ein paar Tränchen verdrückt dämmert ihr langsam, worauf sie sich eingelassen hat.

Philipp Schiemann

Aus: "Suicide City", Erzählung (Killroy Media Verlag, ISBN 3-931140-21-0)

Der Schaffner